Herr Hanser war auf dem Weg zum Bahnhof. Seine Schritte waren eilig und sein langer Mantel flatterte im Wind. Sein Blick war fest auf den großen Bau mit den grauen Säulen gerichtet. Die Hände in den Taschen des Mantels waren zu Fäusten verkrampft. Er musste diesen Zug erreichen.
Warum war der Bahnhof dort auf der anderen Straßenseite? Welche Menschen hatten vor Jahrzehnten das Sakrileg begangen, die Bestimmung seines Lebens dort zu erbauen? Wie hatten sie es sich erlauben können, ihm sein Leben zu versagen? Heute würde der Tag sein, an dem sie erkennen würden, dass sie sich in ihm geirrt hatten.
Auf dem Zebrastreifen begegnete er einer Frau mit einer braunen Handtasche. Er ahnte, dass ihr Schicksal sich im nächsten Moment ändern würde, natürlich durch ihre eigene Schuld. Sie stolperte über einen losen Pflasterstein und fiel zu Boden. Herr Hanser eilte an ihr vorbei. Seine Hände schmerzten.
Er strebte dem engen Eingangsportal entgegen. Aus den Augenwinkeln sah er er einen jungen Mann mit hellbraunen Haaren, der auf demselben Weg zum Ziel strebte. Sein schwarzer Rucksack weckte eine Erinnerung in Herr Hanser. Kannte er diesen jungen Mann? Vielleicht war er einer der Praktikanten im Büro. Diesmal war die Ahnung von den kommenden Ereignissen stärker und ein kleiner, übrig gebliebener Teil von Herr Hanser spürte Verwunderung. Aber nur der Zug war wichtig und der junge Mann würde ihn nicht aufhalten. Mit der Schulter schob Herr Hanser ihn zur Seite und er hörte noch, wie der junge Mann empört aufschrie.
Die weite Bahnhofshalle erstreckte sich vor Herr Hanser. Zahlreiche Menschen bewegten sich auf die Bahnsteige zu und ganz in der Ferne sah er seinen Zug. Seine Füße trafen in schnellerem Takt auf den Boden und sein Atem ging keuchend. Er schob sich vor in die erste Reihe der eilenden Menschen. Plötzlich wusste er, dass er es nicht schaffen würde. Seine Hände wurden taub, sein Gesicht verzerrte sich in einem frustrierten Ausbruch nutzloser Emotion.
Kurz vor der Schiebe-Tür des Zuges stolperte auch er, fiel auf den Boden, sah die Tür sich verschließen und sein Ziel wieder einmal in unerreichbare Ferne rücken. Aber diesen Moment nahm Herr Hanser nicht mehr wahr.
Die Farben in der Bahnhofshalle begannen auszubleichen, Menschen und Gegenstände verloren ihre Konturen und lösten sich auf. Übrig blieb nur das aufgehende Schwarz eines leeren Computerbildschirms.
"Spielen sie es nochmal ab."
Der Techniker blickte den Sicherheitsbeamten von der namenlosen Behörde an und nickte. Mit einem Klick begann der wenige Momente währende Tag von Herrn Hanser erneut, auf ewig gebannt in den kalten Dateien des Computers.
